Keine 24 Stunden nach der bitteren Auftaktniederlage gegen Spanien wartet auf die DBB-Frauen die nächste anspruchsvolle Aufgabe bei der Frauen-Basketball-WM 2026. Am Samstag, 5. September 2026, trifft Deutschland um 18 Uhr in der Max-Schmeling-Halle in Berlin auf Japan. Während die Mannschaft von Bundestrainer Olaf Lange nach dem ernüchternden 53:83 gegen Spanien dringend eine Reaktion benötigt, startet Japan mit reichlich Selbstvertrauen in das zweite Gruppenspiel. Die Asiatinnen gewannen ihren WM-Auftakt gegen Mali mit 102:97 und stellten dabei gleich mehrere Dreierrekorde auf.
Damit bekommt das zweite deutsche WM-Spiel schon erheblich mehr Bedeutung als vor Turnierbeginn erwartet. Der direkte Einzug ins Viertelfinale als Gruppensieger ist nach der deutlichen Niederlage gegen Spanien kaum noch realistisch. Für Deutschland geht es nun vor allem darum, mindestens einen der ersten drei Plätze in Gruppe A und damit die K.-o.-Phase zu erreichen. Ein Erfolg gegen Japan würde zudem die Chance auf Rang zwei und damit eine möglichst günstige Ausgangslage für die Zwischenrunde deutlich erhöhen.
Deutschland gegen Japan: Termin, Uhrzeit und Übertragung
| Wettbewerb | FIBA Women’s Basketball World Cup 2026 |
| Runde | Gruppenphase, Gruppe A |
| Datum | 05.09.2026 |
| Uhrzeit | 18:00 Uhr |
| Ort | Max-Schmeling-Halle, Berlin |
| Free-TV | ProSieben MAXX |
| Livestream | Joyn |
| Weitere Übertragung | MagentaSport / MagentaTV |
Die kostenlose Übertragung bei ProSieben MAXX und Joyn beginnt bereits um 17:15 Uhr. Auch MagentaSport und MagentaTV zeigen das zweite deutsche WM-Spiel, dort beginnt die Berichterstattung um 17:30 Uhr.
Deutschland muss die Spanien-Niederlage schnell abhaken
Viel Zeit zur Aufarbeitung des misslungenen Auftakts bleibt Deutschland nicht. Gegen Spanien war die DBB-Auswahl am Freitag praktisch von Beginn an ins Hintertreffen geraten. Nach dem ersten Viertel stand es 13:24, zur Halbzeit bereits 24:50. Am Ende verlor Deutschland vor 12.550 Zuschauern in der Berliner Arena deutlich mit 53:83.
Vor allem offensiv fand Deutschland kaum einen Rhythmus. Spanien traf früh hochprozentig aus der Distanz, während die Gastgeberinnen zahlreiche offene Würfe liegen ließen und im Rebound zunächst ebenfalls Probleme hatten. Bundestrainer Lange probierte unterschiedliche Verteidigungsformen, doch der Vize-Europameister fand fast immer eine Antwort. Leonie Fiebich war mit 13 Punkten beste deutsche Werferin. Nyara Sabally kam auf zehn, Marie Gülich auf acht und Alexis Peterson-Smalls auf sieben Zähler.
Fiebich sprach nach der Partie offen über die Probleme: „Wir brauchen vollen Fokus auf Morgen.“ Enttäuschung sei verständlich, dürfe das Team jetzt aber nicht lähmen. Ihre Konsequenz für das Japan-Spiel formulierte sie unmissverständlich: Deutschland müsse gewinnen.
Auch gegenüber der Sportschau verwies die WNBA-Spielerin auf die fehlende Eingespieltheit. Die Mannschaft habe in dieser personellen Konstellation zuvor noch nicht gemeinsam auf dem Feld gestanden. Gerade in der ersten Halbzeit sei offensiv praktisch nichts gefallen.
Kapitänin Marie Gülich nahm nach dem Spanien-Spiel auch sich selbst in die Pflicht. Deutschland müsse auf gegnerische Läufe schneller reagieren und insbesondere defensiv Antworten finden, wenn ein Gegner mehrere Dreier hintereinander treffe. Genau das wird gegen Japan nun noch wichtiger.
Japan startet mit einem Dreier-Feuerwerk in die WM
Denn kaum ein Team verkörpert den modernen Distanz-Basketball so konsequent wie Japan. Schon beim 102:97 gegen Mali zeigte die Mannschaft von Headcoach Corey Gaines eindrucksvoll, was Deutschland am Samstag erwartet.
Japan verwandelte 20 Dreier und stellte damit einen neuen Rekord bei einer Frauen-Basketball-Weltmeisterschaft auf. Besonders spektakulär war die Vorstellung von Saki Hayashi. Die Guard-Spielerin traf neun ihrer 15 Versuche von jenseits der Dreierlinie. Noch nie zuvor hatte eine Spielerin in einem einzelnen Frauen-WM-Spiel neun Dreier verwandelt. Hayashi beendete die Partie mit 27 Punkten.
Dabei war Japan keineswegs durchgehend dominant. Mali bereitete dem Favoriten erhebliche Probleme und lag zwischenzeitlich vorne. Japans Tempo, Ballbewegung und außergewöhnliche Trefferquote aus der Distanz drehten die Partie jedoch. Neben Hayashi überzeugte vor allem Kokoro Tanaka, die bei ihrem WM-Debüt auf 18 Punkte, drei Rebounds und sieben Assists kam.
Hayashi selbst ordnete ihre Rekordleistung erstaunlich nüchtern ein. Dreier zu werfen und zu treffen sei schlicht ein Teil ihrer Aufgabe.
Japans Trainer kündigt hohes Tempo gegen Deutschland an
Japan weiß gleichzeitig, dass das Spiel gegen Deutschland eine völlig andere Herausforderung wird. Trainer Corey Gaines sieht in der kurzen Regenerationszeit der Gastgeberinnen sogar einen Vorteil für seine Mannschaft.
Seine Ankündigung vor dem zweiten Gruppenspiel ist deutlich: „Deutschland kann sich nicht ausruhen und wir werden bereit sein und schnell spielen.“ Japan werde im zweiten Turnierspiel normalerweise noch schneller auftreten als im ersten.
Das dürfte ein entscheidender Punkt werden. Deutschland musste am Freitagabend um 17:45 Uhr gegen Spanien antreten, während Japan sein Auftaktspiel gegen Mali bereits am Vormittag absolvierte. Die Japanerinnen verfügen damit über mehrere zusätzliche Stunden Regenerationszeit.
Für Deutschland wird es deshalb darauf ankommen, das Spieltempo zu kontrollieren. Ein offener Schlagabtausch mit vielen schnellen Abschlüssen und zahlreichen Ballbesitzen würde vermutlich eher Japan entgegenkommen.
Japan spielt einen völlig anderen Basketball als Spanien
Deutschland bekommt innerhalb von nur 24 Stunden zwei vollkommen unterschiedliche Aufgaben gestellt. Spanien überzeugte mit Größe, Physis, guter Ballbewegung und hoher individueller Qualität. Japan definiert sich dagegen noch stärker über Geschwindigkeit, schnelle Guards, aggressives Umschaltspiel und Distanzwürfe.
FIBA hatte das Duell schon vor Turnierbeginn ausdrücklich als einen der interessantesten Stil-Kontraste der Gruppenphase hervorgehoben. Japan steht auf Rang zehn der Weltrangliste, Deutschland unmittelbar dahinter auf Platz elf.
Deutschlands Vorteil liegt vor allem in der Größe. Mit Nyara Sabally, Luisa Geiselsöder, Marie Gülich, Emily Bessoir, Lina Sontag und der 1,92 Meter großen Leonie Fiebich besitzt Lange zahlreiche Optionen auf den großen Positionen. Japan ist kleiner, versucht diesen Nachteil jedoch durch Geschwindigkeit und eine sehr aggressive Spielweise zu kompensieren.
Genau deshalb dürfte die Frage entscheidend werden, welches Team den Rhythmus des Spiels bestimmt.
Deutschland muss die Dreierlinie verteidigen
Nach den Erfahrungen des ersten Spieltages ist die wichtigste Aufgabe offensichtlich. Deutschland darf Japans Schützinnen nicht die gleichen offenen Würfe ermöglichen wie Mali.
Mit Hayashi allein ist es allerdings nicht getan. Japan besitzt mit Mai Yamamoto, Kokoro Tanaka, Rui Machida und Yuki Miyazawa weitere Spielerinnen, die Würfe kreieren oder selbst aus der Distanz treffen können. Dazu kommen die erfahrenen Maki Takada und Ramu Tokashiki.
Besonders gefährlich ist, wie schnell Japan nach Ballgewinnen oder Defensivrebounds umschaltet. Häufig wartet die Mannschaft nicht, bis eine klassische Halbfeld-Offensive aufgebaut ist. Die Guards drücken sofort aufs Tempo, während mehrere Spielerinnen gleichzeitig die Dreierlinie besetzen.
Deutschland wird deshalb bereits bei der eigenen Offensive aufpassen müssen: Schlechte Abschlüsse und Ballverluste können unmittelbar zu japanischen Fastbreaks oder offenen Dreiern führen.
Gleichzeitig muss Deutschland seine Größenvorteile ausspielen
Nur Japans Stärken zu verhindern wird aber nicht reichen. Deutschland besitzt selbst einen erheblichen Vorteil, den Mali bereits teilweise sichtbar gemacht hat: Größe und physische Präsenz unter dem Korb.
Gegen Spanien gelang es der DBB-Auswahl noch zu selten, diese Stärke konsequent einzusetzen. Kapitänin Gülich räumte nach dem Auftakt selbst ein, dass sie im Post aggressiver hätte agieren müssen. Gegen Japan dürfte genau dort eine der größten Chancen liegen.
Gülich, Geiselsöder und Nyara Sabally sollten Japan in Korbnähe beschäftigen. Auch Fiebich kann aufgrund ihrer Größe kleinere Gegenspielerinnen im Post attackieren. Gelingt Deutschland das, könnte Japan zu Doppeln gezwungen werden – und damit könnten wiederum offene Würfe für Peterson-Smalls, Fiebich, Bühner oder Wilke entstehen.
Ebenso wichtig ist das Reboundduell. Jeder japanische Defensivrebound birgt die Gefahr eines schnellen Gegenangriffs. Umgekehrt könnten offensive Rebounds für Deutschland ein Mittel sein, das Spiel langsamer und physischer zu gestalten.
Leonie Fiebich wird noch wichtiger
Nach dem Ausfall von Satou Sabally liegt ein erheblicher Teil der Verantwortung auf Leonie Fiebich. Schon gegen Spanien war die Spielerin der New York Liberty offensiv die auffälligste Deutsche. Ihre 13 Punkte reichten jedoch nicht, um die schwache Gesamtquote zu kompensieren.
Gegen Japan könnte ihre Vielseitigkeit besonders wertvoll werden. Fiebich kann kleinere Guards verteidigen, gleichzeitig aber auch ihre Größe offensiv ausnutzen. Außerdem gehört sie zu den Spielerinnen, die Japans aggressives Pressing mit sicherem Ballhandling und guten Entscheidungen bestrafen können.
Auch Alexis Peterson-Smalls kommt eine Schlüsselrolle zu. FIBA hatte schon vor der WM darauf hingewiesen, wie abhängig Deutschland in der Spielorganisation von seiner Point Guard sein könnte. Gegen das hohe japanische Tempo muss Peterson-Smalls nicht nur selbst produzieren, sondern vor allem dafür sorgen, dass Deutschland nicht in hektische Ballbesitze gezwungen wird.
Nyara Sabally ist eine zusätzliche Option
Positiv war beim Auftakt zumindest, dass Nyara Sabally nach ihren vorherigen Wadenproblemen tatsächlich eingesetzt werden konnte. Die 26-Jährige erzielte gegen Spanien zehn Punkte und war damit hinter Fiebich zweitbeste deutsche Scorerin.
Gegen Japan könnte ihre Athletik noch wertvoller sein. Sabally kombiniert Größe mit Mobilität und kann dadurch sowohl in Korbnähe als auch beim Verteidigen kleinerer Gegenspielerinnen eingesetzt werden.
Die große Einschränkung bleibt der Ausfall ihrer Schwester Satou Sabally, die aufgrund der Folgen einer Gehirnerschütterung nicht an der WM teilnehmen kann. Gerade das letzte große Duell mit Japan zeigt, wie schwer dieser Ausfall wiegt.
Deutschland gegen Japan: Direkter Vergleich ist ausgeglichen
Nach der offiziellen FIBA-Statistik stehen sich Deutschland und Japan bei großen internationalen Wettbewerben bislang zweimal gegenüber. Beide Nationen gewannen jeweils einmal.
| Datum | Wettbewerb | Ergebnis |
|---|---|---|
| 01.08.2024 | Olympische Spiele | Japan – Deutschland 64:75 |
| 04.06.1998 | Weltmeisterschaft, Viertelfinale | Japan – Deutschland 88:71 |
Das jüngste Duell dürfte vielen deutschen Basketballfans noch gut in Erinnerung sein. Bei den Olympischen Spielen 2024 in Frankreich gewann Deutschland mit 75:64 und zog damit vorzeitig ins Viertelfinale ein.
Die überragende Spielerin jener Partie war allerdings Satou Sabally. Sie erzielte 33 Punkte und traf elf ihrer 17 Würfe. Eine vergleichbare Einzelperformance steht Deutschland diesmal nicht zur Verfügung.
Auch das zweite bislang von FIBA geführte Pflichtspiel besitzt historischen Stellenwert: Bei der Weltmeisterschaft 1998 in Deutschland trafen beide Teams im Viertelfinale aufeinander. Japan gewann damals mit 88:71.
28 Jahre später gibt es nun erneut ein WM-Duell auf deutschem Boden.
Saki Hayashi ist nicht Japans einzige Gefahr
Nach ihren neun Dreiern gegen Mali steht Hayashi zwangsläufig im Mittelpunkt. Deutschland darf sich defensiv aber nicht ausschließlich auf sie konzentrieren.
Kokoro Tanaka zeigte schon bei ihrem WM-Debüt, welche Gefahr sie aus dem Pick-and-Roll und mit aggressiven Drives ausstrahlt. Die 24-Jährige kam gegen Mali auf 18 Punkte und sieben Assists. Vor dem Deutschland-Spiel sprach sie von einer enormen Herausforderung. Deutschland sei ein sehr starkes Team, außerdem rechne Japan mit einer feindseligen Atmosphäre zugunsten der Gastgeberinnen. Entscheidend sei, auch unter diesen Bedingungen den eigenen japanischen Basketball durchzuziehen.
Mai Yamamoto gehört ebenfalls zu den wichtigsten offensiven Spielerinnen. FIBA bezeichnete sie bereits vor Turnierbeginn als einen der Stars der japanischen Mannschaft. Hinzu kommt enorme Erfahrung: Takada, Tokashiki, Machida und Miyazawa waren bereits bei zahlreichen großen Turnieren dabei.
Das zweite Spiel könnte den weiteren deutschen Turnierweg bestimmen
Der Modus verschärft die Bedeutung der Partie. Nur der jeweilige Gruppenerste zieht direkt ins Viertelfinale ein. Die Mannschaften auf den Plätzen zwei und drei müssen zunächst in einer zusätzlichen K.-o.-Runde antreten. Der Gruppenletzte scheidet aus.
Nach dem ersten Spieltag steht Japan bereits bei einem Sieg, Deutschland bei einer Niederlage. Gewinnt die DBB-Auswahl den direkten Vergleich, wären beide Mannschaften vor dem abschließenden Spieltag wieder gleichauf. Deutschland trifft am Montag auf Mali, Japan auf Spanien.
Eine zweite Niederlage wäre dagegen problematisch. Deutschland könnte sich dann zwar mit einem Sieg über Mali weiterhin Platz drei sichern, wäre für die Zwischenrunde aber bereits erheblich unter Druck und könnte nicht mehr aus eigener Kraft auf den zweiten Rang kommen.
Für einen möglichst guten Turnierweg ist Japan deshalb praktisch ein Pflichtsieg.
Deutschland braucht vor allem eine andere Energie
Das Ergebnis gegen Spanien allein muss noch nichts über den weiteren Verlauf dieser Heim-WM aussagen. Der Turnierplan lässt kaum Zeit zum Grübeln – und genau darin könnte für Deutschland sogar eine Chance liegen.
Fiebich formulierte unmittelbar nach der Niederlage die entscheidende Aufgabe: abhaken, analysieren und den Fokus komplett auf Japan richten.
Die Herausforderung könnte dabei kaum deutlicher sein. Deutschland trifft auf ein Team, das am ersten WM-Tag 102 Punkte erzielte, 20 Dreier traf und mit Hayashi eine Spielerin in Rekordform besitzt. Japan wiederum bekommt es mit einer deutschen Mannschaft zu tun, die körperlich deutlich größer ist und vor eigenem Publikum dringend eine Reaktion zeigen muss.
Für Deutschland dürfte der Weg zum Erfolg deshalb über Kontrolle führen: weniger Nervosität, bessere Wurfauswahl, konsequentere Reboundarbeit und vor allem eine wesentlich bessere Verteidigung an der Dreierlinie. Gleichzeitig muss Lange seine Größenvorteile unter dem Korb nutzen und verhindern, dass Japan das Spiel zu einem permanenten Sprint von Korb zu Korb macht.
Nach dem Fehlstart gegen Spanien ist die Schonfrist bereits vorbei. Deutschland gegen Japan wird zum ersten echten Schlüsselspiel dieser Heim-WM.
