Der FC Bayern München ist mit einem 4:1-Sieg beim 1. FC Union Berlin in die Frauen-Bundesliga 2026/27 gestartet. Vor der neuen Berliner Bundesliga-Rekordkulisse von 17.083 Zuschauer:innen im Stadion an der Alten Försterei verlangten die Gastgeberinnen dem Deutschen Meister zunächst einiges ab.
Am Ende setzte sich jedoch die individuelle Qualität der Münchnerinnen durch. Nationalspielerin Klara Bühl eröffnete mit einem Traumfreistoß nicht nur den Torreigen, sondern zugleich die gesamte neue Bundesliga-Saison 2026/2027 in Berlin-Köpenick.





Union beginnt mutig – Bühl antwortet traumhaft
Wer beim offiziellen Eröffnungsspiel einen gemächlichen Start des Außenseiters erwartet hatte, wurde schnell eines Besseren belehrt. Union spielte mutig nach vorne und hatte bereits nach sieben Minuten die große Gelegenheit zur Führung. Eileen Campbell setzte sich auf rechts durch, schoss jedoch knapp am langen Pfosten vorbei. Wenig später zwang Tomke Schneider Bayern-Torhüterin Ena Mahmutovic mit einem Distanzschuss zu einer Parade.
Die Bayern brauchten einige Minuten, um Kontrolle über die Partie zu bekommen. Dann schlug Klara Bühl zu. Nachdem Jovana Damnjanović kurz vor dem Strafraum gefoult worden war, zirkelte die deutsche Nationalspielerin den Freistoß in der 26. Minute sehenswert ins rechte obere Eck. Bühl bezeichnete den Treffer anschließend als den „Dosenöffner“. Bayern-Trainer José Barcala zollte Union dennoch Anerkennung: „Sie waren heute ein fantastischer Gegner, sehr aggressiv.“
Mit dem 0:1 ging es in die Pause – ein Zwischenstand, der den engagierten Auftritt der Gastgeberinnen durchaus widerspiegelte.
Harder bestraft Union direkt nach der Pause
Nach dem Seitenwechsel benötigte Bayern allerdings nur knapp zwei Minuten, um die Kräfteverhältnisse deutlicher auf die Anzeigetafel zu bringen. Ein ungenauer Rückpass der Berlinerinnen landete bei Torjägerin Pernille Harder, die sich die Gelegenheit nicht entgehen ließ und zum 0:2 traf. Für die dänische Nationalspielerin war es ein besonderes Tor: Harder absolvierte in Berlin ihr 100. Pflichtspiel für die Bayern-Frauen.
Nun wurde der Meister stärker. Nach einer Stunde erhöhte Bayern-Kapitänin Glódís Perla Viggósdóttir nach einem Freistoß von Bühl auf 3:0. Spätestens jetzt schien das Eröffnungsspiel entschieden.
Union gab sich allerdings nicht geschlagen. Die eingewechselte Nele Bauereisen belohnte die Berlinerinnen in der 79. Minute mit ihrem ersten Bundesliga-Treffer. Sophie Weidauer hatte per Kopf vorbereitet, Bauereisen vollendete ebenfalls mit dem Kopf zum 1:3.
Für einen wirklich spannenden Schlussspurt reichte es nicht mehr. Stattdessen gehörte das letzte Wort einer Bundesliga-Debütantin: Die 19 Jahre alte Niederländerin Sophie Proost traf in der 90. Minute zum 4:1-Endstand.
Ergebnis deutlicher als der Spielverlauf
Das 1:4 hört sich aus Berliner Sicht deutlich an. Über weite Strecken präsentierte sich Union aber konkurrenzfähiger, als es das Ergebnis vermuten lässt. Trainerin Marie-Louise Eta sah es ähnlich. Der Bayern-Sieg gehe zwar in Ordnung, erklärte sie nach dem Spiel, das Resultat sei aber deutlicher ausgefallen als der tatsächliche Spielverlauf.
Auch Samantha Steuerwald haderte mit dem Resultat und sagte: „Das spiegelt nicht unsere Leistung heute wider.“ Besonders beeindruckt zeigte sich Unions Vize-Kapitänin von der Atmosphäre beim Einlaufen auf dem Rasen.
Für Union waren es trotz der Niederlage durchaus ermutigende 90 Minuten. Die Berlinerinnen liefen den Meister früh an, erarbeiteten sich selbst Möglichkeiten und ließen sich auch von drei Gegentreffern nicht komplett aus dem Spiel nehmen.
Klara Bühl setzt erstes Ausrufezeichen der Saison
Auf Münchner Seite gehörte Klara Bühl zu den prägenden Spielerinnen des Abends. Die deutsche Nationalspielerin erzielte das erste Tor der Frauen-Bundesliga-Saison 2026/27 und bereitete später den Treffer von Viggósdóttir vor.
Nach ihrem Doppelpack beim 3:0 im Supercup gegen Wolfsburg wenige Tage zuvor setzte Bühl damit ihre starke Frühform fort. Auch die Kulisse in Berlin hinterließ Eindruck bei der 25-Jährigen: „Es hat richtig Spaß gemacht, vor so vielen Fans zu spielen.“
Neben Bühl stand mit Ena Mahmutovic eine weitere deutsche Nationalspielerin in der Münchner Startelf. Linda Dallmann begann ebenfalls. DFB-Kapitänin Giulia Gwinn fehlte weiterhin nach ihrer Schulteroperation, ebenso wie Lena Oberdorf, die sich noch im Aufbautraining nach ihrem Kreuzbandriss befindet.
Frauen-Bundesliga startet vor Rekordkulisse
Nicht nur sportlich setzte der erste Abend der neuen Saison ein Zeichen. 17.083 Zuschauer:innen kamen in die Alte Försterei – so viele wie noch nie zuvor zu einem Bundesliga-Heimspiel der Union-Frauen. Damit unterstrichen die Berlinerinnen erneut ihre besondere Zuschauerentwicklung.
Dass Bundestrainer Christian Wück ebenfalls auf der Tribüne saß, passte zum Rahmen eines Eröffnungsspiels, bei dem zahlreiche aktuelle und mögliche künftige Nationalspielerinnen auf dem Platz standen.
Für Bayern setzte sich derweil eine außergewöhnliche Serie fort: Die Münchnerinnen sind nun seit 43 Bundesliga-Spielen ungeschlagen. Gleichzeitig war das 4:1 in Berlin bereits der 20. Auswärtssieg hintereinander. Nur noch eine weitere Partie ohne Niederlage fehlt dem FCB zur Einstellung des eigenen Bundesliga-Rekords von 44 Spielen.
Bayern setzt gleich zum Auftakt ein Zeichen
Der erste Spieltag liefert damit bereits ein bekanntes Bild: Der FC Bayern ist auch 2026/27 die Mannschaft, die es zu schlagen gilt. Nach vier Meisterschaften in Folge und einer ungeschlagenen Bundesliga-Saison 2025/26 ließ der Titelverteidiger auch beim ersten Auftritt der neuen Spielzeit kaum Zweifel an seinen Ambitionen aufkommen.
Perfekt war der Auftritt dennoch nicht. „Wir sind noch weit davon entfernt, wo wir sein wollen“, stellte Barcala nach dem Spiel fest. Genau das dürfte für die Konkurrenz die unangenehmste Erkenntnis des Abends sein: Bayern gewinnt zum Saisonstart mit 4:1 – und sieht selbst noch erhebliches Steigerungspotenzial.
Union dagegen kann trotz der Niederlage einiges aus dem Auftakt mitnehmen. Die Alte Försterei bot einen würdigen Rahmen für den Start der Frauen-Bundesliga 2026/27, die Berlinerinnen hielten über weite Strecken mutig dagegen – und der Meister musste härter für seinen ersten Dreier arbeiten, als das Endergebnis vermuten lässt.
1. Spieltag Frauen-Bundesliga 2026/27, 21.08.2026
1. FC Union Berlin – FC Bayern München 1:4 (0:2)
Tore: 0:1 Bühl (26.), 0:2 Harder (47.), 0:3 Viggósdóttir (60.), 1:3 Bauereisen (79.), 1:4 Proost (90.).
Zuschauer: 17.083 im Stadion An der Alten Försterei, Berlin.