WM 2026 Distanzen: Entfernungen und Reisezeiten der Nationalmannschaft

Die Fußball-WM 2026 ist mit Abstand die Weltmeisterschaft, die sich über die größte Fläche erstreckt. Auf vier Zeitzonen verteilen sich die 16 Spielorte in den drei Ländern USA, Kanada und Mexiko. Die weiteste Distanz zwischen zwei Stadien liegt bei etwa 4.800 Kilometer. Das bedeutet für Teams, Mitarbeitern und Fans lange Reisezeiten zwischen den Spielen!

Wir werfen einen Blick auf die Distanzen und Reisezeiten der deutschen Fußball-Nationalmannschaft und wie sich diese WM-Reisen auf die Klimabilanz auswirken.

WM-Reisedistanzen im Vergleich

Eine der ganz wenigen positiven Gegebenheiten der WM 2022 in Katar waren die kurzen Reisedistanzen vor Ort. Es war für kein Team auch nur ein Flug nötig, um vor Ort zu den Stadien zu gelangen. Das genaue Gegenteil zeigt sich bei der WM 2026 in Nordamerika. Im Schnitt legen die Teams alleine in der Gruppenphase laut einem Artikel der Sports Illustrated etwa 2.250 Kilometer zu ihren Spielorten zurück, wohlgemerkt one way. Am schlimmsten trifft es Bosnien und Herzegowina. Das Team um das Bundesliga Stürmer Trio Dzeko, Tabakovic und Demirovic legt in der Gruppenphase etwas 5.060 Kilometer zurück. Auf Platz 14 von 48 Teams steht laut diesen Berechnungen die deutsche Nationalmannschaft mit ca. 2.636 Kilometern.

Das (zurecht) viel kritisierte Turnier in Katar stellte hier sicherlich einen Ausnahmefall dar. In einem Staat, der flächenmäßig ungefähr die Größe von Hessen aufweist, sind die Wege kurz. Deutschland legte in der Gruppenphase insgesamt ungefähr 500 Kilometer zurück und das mit dem Bus! Damit gehörte die Mannschaft noch zu einem der Teams mit den größten Distanzen. 

Aber auch bei anderen Weltmeisterschaften in größeren Staaten waren die Wege viel kürzer. In Russland 2018 lagen alle Stadien im europäischen Teil des Landes, um die Wege möglichst kurz zu halten. Brasilien 2014 kommt noch am ehesten in die Nähe, aber auch dort waren die Stadien bis auf zwei, drei Ausreißer sehr konzentriert auf vergleichsweise geringe Distanzen.

Obwohl die FIFA für 2026 gewisse Cluster gebildet hat, um die Reisedistanzen für die Teams in der Gruppenphase und teils auch darüber hinaus zu beschränken, werden Distanzen zurückgelegt, die mit keinem bisherigen Turnier zu vergleichen sind. Dazu kommt, dass diese Distanzen jetzt von 48 statt 32 Teams zurückgelegt werden und dass es mit dem Sechzehntelfinale eine weitere Runde gibt.

WM-Reise der deutschen Nationalmannschaft

Rechnet man die Anreisezeit ins DFB-Quartier (Base Camp) in Winston-Salem, sowie die Dauer der Flüge und Transfers zu den Spielstätten der drei Gruppenspiele und zurück, so kommt die deutsche Nationalmannschaft alleine bis zum Ende der Gruppenphase auf 35 bis 45 Stunden Reisezeit! Klar, die Bedingungen gelten weitestgehend für alle Teams, es entsteht also kein Wettbewerbsnachteil. Die Frage muss dennoch erlaubt sein, ob man Spieler, die durch aufgepumpte Turniere und eng getaktete Spielpläne sowieso an ihre Belastungsgrenzen kommen, solchen Strapazen aussetzen muss.

Auch kann man sich fragen, ob darunter nicht die Gesamtqualität eines Turniers leidet. Noch fiel bisher nichts auf, die Zeiträume zwischen den Spielen sind noch recht lang. Wir werden sehen, ob das Niveau leidet, wenn der Spielplan mit fortschreitendem Turnierverlauf immer mehr einem WM-typischen Spielplan ähnelt, die Distanzen aber gleich bleiben oder sogar größer werden, da das Cluster System logischerweise nicht bis ins Finale geplant werden kann. 

Auflistung der Distanzen und Reisezeiten und CO2-Ausstoß der deutschen Nationalmannschaft

DatumAnlassStartZielEntfernung Reisezeit
02.06.2026Anreise USAFrankfurt am MainChicago6.97011–13
08.06.2026Weiterreise ins BasecampChicagoWinston-Salem9303–4
13.06.2026Hinreise 1. GruppenspielWinston-SalemHouston1.6004–5
14.06.2026Rückreise 1. GruppenspielHoustonWinston-Salem1.6004–5
19.06.2026Hinreise 2. GruppenspielWinston-SalemToronto8503–4,5
20.06.2026Rückreise 2. GruppenspielTorontoWinston-Salem8503–4,5
24.06.2026Hinreise 3. GruppenspielWinston-SalemEast Rutherford 7503,5–4,5
25.06.2026Rückreise 3. GruppenspielEast Rutherford Winston-Salem7503,5–4,5
Hinweise: Entfernung in Kilometern sind gerundete Luftlinien-/Flugdistanzwerte, Reisezeit in Stunden ist geschätzt und inklusive Transfers

Rechnet man die Distanzen und Reisezeiten zusammen kommt man in der Summe auf folgende Werte bis zum Ende der Vorrunde:

ReisenReiserouteEntfernung Reisezeit
USA-Anreise bis BasecampFrankfurt – Chicago – Winston-Salem7.90014 bis 17
Drei Spiele in der Vorrunde ab/an BasecampHouston, Toronto, East Rutherford jeweils hin und zurück6.40021 bis 28
Gesamt14.30035 bis 45
Hinweise: Entfernung in Kilometern sind gerundete Luftlinien-/Flugdistanzwerte, Reisezeit in Stunden ist geschätzt und inklusive Transfers

Positiv hervorzuheben ist, dass die deutsche Nationalmannschaft bei der Anreise in die USA mit einem Linienflugzeug geflogen ist, anders als bisher üblich per Sonderflug. Ein wichtiges Zeichen nach außen, dass die Mannschaft nicht nur nahbarer, sondern auch umweltbewusster zeigt. So lobenswert das auch sein mag, verglichen mit der Teilnahme an dieser Mega-WM ist das ein Tropfen auf den heißen Stein.

Experten und KI schätzen die Emissionen, die die deutsche Mannschaft bis nach dem Ecuador-Spiel in der Vorrunde ausgestoßen hat, auf 111 Tonnen CO2. Das entspricht dem Ausstoß von ungefähr 16 deutschen Haushalten pro Jahr. Dass das DFB-Team von Julian Nagelsmann dieses Jahr die Finalrunde erreicht hat, ist zwar erfreulich, wird diese Zahl allerdings weiter in die Höhe treiben. Es warten in der Finalrunde ebenfalls weiter Distanzen, wie nach Philadelphia (600 km), Foxborough (1.000 km) oder Arlingtion (1.600 km)

Der Mega-Beitrag zur Klimakatastrophe

Bereits die WM 2022 in Katar hatte verglichen mit vorherigen Turnieren einen erhöhten CO2 Ausstoß, doch das Turnier in den USA, Kanada und Mexiko übersteigt den Ausstoß aller bisherigen Turniere bei weitem. War es in Katar noch vor allem der Bau der Stadien, der für einen hohen CO2 Ausstoß gesorgt hat, treiben bei der diesjährigen WM 2026 vor allem die Erweiterung auf 48 Teams sowie die hohen Flugdistanzen die Emissionen in die Höhe.

„Es besteht überhaupt kein Zweifel daran, dass die WM 2026 die umweltschädlichste aller Zeiten sein wird“, sagte Andrew Simms vom New Weather Institute, das die Klimaziele der FIFA kritisch begleitet, in einer Reportage des ZDF. Die Universität von Lausanne ging noch einen Schritt weiter: Die WM-Endrunde in Nordamerika werde laut einer Studie „den größten CO2-Fußabdruck in der Geschichte des internationalen Sports“ hinterlassen.

Immer zu beachten dabei ist, dass die Distanzen ja nicht nur von den Teams sondern auch von Fans (die FIFA rechnet mit sechs Millionen), Journalist:innen und Begleitern zurückgelegt werden. 2022 wird die Zahl auf 3,6 Millionen Tonnen CO2 geschätzt. Prognosen sagen für die WM 2026 eine fast doppelt so hohe Belastung voraus: Es ist von neun Millionen Tonnen CO2 die Rede! Das deckt sich mit Berechnungen der Organisation Scientists for Global Responsibility (SGR) und entspricht laut Studie etwa den jährlichen Emissionen von 6,5 Millionen Autos.

Diese unglaublichen Zahlen und die damit einhergehende Umweltbelastung sind auch bei diesem Turnier wieder nur einer von unzähligen Kritikpunkten. Auch bei den nächsten Weltmeisterschaften (erst auf drei Kontinenten, dann in Saudi-Arabien) ist hier kein positiver Trend zu erwarten. Besonders der DFB, der sich immer gerne gesellschaftliche Verantwortung und Nachhaltigkeit auf die Fahne schreibt, sollte hier in Zukunft seinen Umgang mit diesen Mega Events überdenken. Und auch als Fan und Konsument muss man sich langsam fragen, wie lange man diesen Zirkus noch konsumieren und finanzieren will.

Was sagen die Fans in Deutschland?

Die Faninitiative Unsere Kurve ruft zum Verzicht auf. „Auch diese WM ist nicht unsere WM“, sagt Thomas Kessen von der Faninitiative. „Enorme Distanzen und unzureichende, überteuerte ÖPNV-Strukturen machen das Turnier ökologisch zum Desaster. Zudem schließen wir uns der Kritik von Football Supporters Europe (FSE) bezüglich der horrenden Ticketpreise vollumfänglich an.“, lauten neben der politischen Ausgreuzung die zentralen Kritikpunkte zur WM.

Mit Unterstützung von Basti Pantle und ausgewählter KI.

AM BALL BLEIBEN

Verpasse keine News und Angebote mehr!

Ja, ich möchte E-Mails erhalten. Abmeldung jederzeit möglich!

FUSSBALL-NEWSLETTER

Trage dich in unseren Fußball-Newsletter ein und verpasse keine News mehr!

Ja, ich möchte Meldungen per E-Mail erhalten. Abmeldung jederzeit möglich!