Der El-Clásico geht in die entscheidende Runde: Am Donnerstag, 2. April 2026, um 18.45 Uhr empfangen die Frauen des FC Barcelona Real Madrid zum Rückspiel des Viertelfinals in der UEFA Women’s Champions League im Spotify Camp Nou. Die Ausgangslage ist klar: Barça empfängt die Gäste aus Madrid mit einem 6:2 aus dem Hinspiel im eigenen Stadion und steht damit schon mit einem Bein im Halbfinale. Dort würde nach dem 5:3-Gesamtsieg des FC Bayern München gegen Manchester United bereits ein deutsches Schwergewicht warten.
Barca geht mit 6:2 ins Rückspiel
Aus deutscher Sicht richtet sich der Blick vor allem auf Sara Däbritz und Merle Frohms. Däbritz dürfte im Mittelfeld von Real Madrid erneut eine zentrale Rolle spielen; die UEFA führt sie in der möglichen Startelf für das Rückspiel. Bei Frohms ist die Lage komplizierter: Die Nationaltorhüterin gehörte zwar nach ihrem Wechsel im Sommer 2025 zu den prominentesten Neuzugängen Madrids, laut AS wartet sie nach ihrer Rückkehr von einer Knieverletzung seit Januar aber noch auf ihren ersten Einsatz. Auch in der UEFA-Vorschau wird Misa Rodríguez als wahrscheinliche Nummer eins geführt.
Barça hat das Viertelfinale im Hinspiel mit einer Offensivdemonstration praktisch vorentschieden. Beim 6:2 in Madrid trafen Ewa Pajor doppelt, dazu Esmee Brugts, Irene Paredes, Vicky López und Alexia Putellas. Für Real hielten nur die beiden Tore von Linda Caicedo den Abend halbwegs offen. Seitdem legte Barcelona am Sonntag im Ligaduell noch ein 0:3 in Madrid nach. Damit hat Barça die Königlichen in dieser Saison bereits fünfmal geschlagen. Insgesamt liest sich die Bilanz fast brutal: 23 Siege aus 24 Duellen, 86:12 Tore für Barcelona.
Für Real Madrid geht es deshalb nicht nur um die fast unmögliche sportliche Wende, sondern auch um ein Signal der Konkurrenzfähigkeit. Trainer Pau Quesada sprach vor dem dritten Clásico in Serie von einer „oportunidad“, also einer Chance, das schlechte Gefühl der vergangenen Tage abzuschütteln.In der Liga F verlor Real zuletzt 0:3 gegen Barcelona. Besonders aufschlussreich war sein Realismus: „Si no hemos ganado ninguno de los cinco partidos, no puedo venderle a las futbolistas que vamos a meterles cinco goles.“ Das Ziel sei zunächst, „90 minutos perfectos para ganar el partido“ zu spielen. Das klingt nicht nach offen ausgerufener Aufholjagd, sondern nach Schadensbegrenzung mit Anspruch.
Barças Trainer Pere Romeu warnt trotz des klaren Vorsprungs vor Nachlässigkeit. Auch er betonte, dass ein K.-o.-Spiel in der Champions League immer ein eigener Abend sei. Das passt zur Atmosphäre, die in Barcelona erwartet wird: Das Team kehrt für diesen Abend erstmals seit dem Umbau wieder ins Spotify Camp Nou zurück. Nach Angaben lokaler spanischer Medien waren rund 60.000 Tickets verkauft, El País schrieb von einer erwarteten vollen Arena bei einer derzeit auf etwa 62.000 begrenzten Kapazität.
Spielerinnen im Fokus: Däbritz, Frohms und Putellas
Im Mittelpunkt der deutschen Perspektive steht vor allem Sara Däbritz. Die 31-Jährige war im Sommer als Führungsspielerin und internationale Verstärkung nach Madrid gekommen; der Klub selbst hob bei ihrer Verpflichtung ihre Spielübersicht und technische Qualität hervor. Däbritz sagte zu Beginn ihrer Zeit in Madrid, sie wolle helfen, den ersten Titel der Klubgeschichte zu gewinnen. Genau diese Ruhe, Erfahrung und Passqualität braucht Real nun im schwierigsten Spiel der Saison. Gegen das aggressive Gegenpressing Barcelonas wird Däbritz eine der Spielerinnen sein müssen, die Ballbesitzphasen sichern und die wenigen Umschaltsituationen sauber ausspielen.
Die ehemalige Nationalspielerin Sara Däbritz wird vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) vor dem WM-Qualifikationsspiel der Frauen gegen Österreich am 14. April offiziell verabschiedet. Wie der Verband am Donnerstag mitteilte, werden DFB-Präsident Bernd Neuendorf und Sportdirektorin Nia Künzer die Europameisterin von 2013 und Olympiasiegerin von 2016 auf dem Rasen des Nürnberger Max-Morlock-Stadions „für ihre lange und erfolgreiche Nationalmannschaftskarriere“ ehren. Ihren Rücktritt aus dem Nationalteam hatte die 31 Jahre alte Mittelfeldspielerin von Real Madrid nach 111 Einsätzen und 18 Toren für Deutschland im vergangenen Oktober verkündet. Insgesamt stand Däbritz bei drei Weltmeisterschaften, vier Europameisterschaften und einem olympischen Fußballturnier auf dem Platz.
Merle Frohms ist die zweite deutsche Geschichte dieses Abends. Sportlich spricht im Rückspiel vieles für einen Platz auf der Bank, emotional bleibt ihre Rolle trotzdem interessant. Die ehemalige DFB-Torhüterin war mit großen Erwartungen nach Madrid gekommen und sagte selbst: „Aquí se espera mucho de mí.“ Nach ihrer langen Verletzungspause ist ihre Situation derzeit jedoch eine des Wartens. Gerade in Spielen dieser Größenordnung zeigt sich, wie hart der Konkurrenzkampf auf Topniveau ist.
Bei Barcelona dreht sich vieles um Alexia Putellas, die laut spanischen Medien ausgerechnet im Clásico ihr 500. Pflichtspiel für den Klub bestreiten könnte. Dazu kommt eine fast absurd starke persönliche Bilanz gegen Real: 14 Tore in diesem Duell. Für Madrid ist das ein Warnsignal, für Barça ein Symbol des Selbstverständnisses. Quesadas Team muss also nicht nur den Rückstand bekämpfen, sondern auch die Wucht eines Gegners, der dieses Spiel historisch und mental beherrscht.
Aufstellungen im Clasico
Die voraussichtliche Startelf laut UEFA:
Barcelona: Cata Coll; Mapi León, Irene Paredes, Camara, Brugts; Serrajordi, Patri Guijarro, Alexia Putellas; Graham Hansen, Pajor, Clàudia Pina.
Real Madrid: Misa Rodríguez; Eva Navarro, María Méndez, Lakrar, Holmgaard; Athenea, Toletti, Däbritz, Sheila García; Weir, Linda Caicedo.
Die Aufstellungen unterstreichen die deutsche Gewichtung: Bei Real wird Däbritz von der UEFA in der Startelf erwartet, Frohms dagegen nicht. Barcelona muss laut UEFA auf Laia Aleixandri und Aitana Bonmatí (verletzt) verzichten, Real fehlt Filippa Angeldahl, zudem ist Signe Bruun fraglich.
Unterm Strich spricht fast alles für Barcelona. Der Titelverteidiger ist im direkten Vergleich klar überlegen, führt nach dem Hinspiel mit vier Toren und hat Real in dieser Saison bereits mehrfach dominiert. Aus deutscher Sicht bleibt der Abend dennoch spannend: Däbritz als mögliche Taktgeberin im Madrider Mittelfeld, Frohms als prominente deutsche Torhüterin im Kader eines Herausforderers, der im Camp Nou zumindest noch einmal Haltung zeigen will. Für Real wäre schon ein Sieg im Rückspiel ein Achtungserfolg, für Barça zählt nur das Halbfinale.
