Women’s Champions League: Vorschau auf Rückspiele im Viertelfinale

Am 1. April und 2. April 2026 fallen in der UEFA Women’s Champions League die Entscheidungen im Viertelfinale. Bayern München geht nach dem 3:2 bei Manchester United mit einem knappen Vorsprung ins Rückspiel, Wolfsburg reist nach dem 1:0 gegen OL Lyonnes mit einer echten Überraschung im Gepäck nach Frankreich. In den beiden anderen Duellen verteidigt Arsenal ein 3:1 gegen Chelsea, Barcelona sogar ein 6:2 gegen Real Madrid.

Aus deutscher Sicht ist das Viertelfinale der Champions League der Frauen besonders reizvoll, weil mit dem FC Bayern München und VfL Wolfsburg zwei Bundesligisten selbst um das Halbfinale kämpfen und mit Lea Schüller, Sjoeke Nüsken, Jule Brand und Sara Däbritz weitere deutsche Spielerinnen in den anderen Paarungen zentrale Rollen spielen.

Die Ausgangslage verspricht also einen hochklassigen deutschen Themenabend in Europa: Bayern will vor großer Kulisse in München den letzten Schritt gehen, Wolfsburg muss in Lyon noch einmal 90 Minuten leiden, Chelsea setzt in London auch auf die deutsche Nationalspielerin Sjoeke Nüsken, und bei Lyon gegen Wolfsburg kommt es mit Jule Brand sogar zum Wiedersehen mit ihrem Ex-Klub. Real Madrid wiederum hofft mit der deutschen Mittelfeldspielerin Sara Däbritz auf ein Wunder im Camp Nou in Barcelona.

Bayern München gegen Manchester United

Für den FC Bayern ist die Ausgangslage gut, aber keineswegs komfortabel. Das Hinspiel bei Manchester United gewann der deutsche Meister 3:2, obwohl United zweimal ausglich. Pernille Harder traf doppelt, ehe Momoko Tanikawa spät den Siegtreffer erzielte. Aus deutscher Sicht auffällig: Giulia Gwinn, Linda Dallmann und Franziska Kett standen in der Startelf, Kett war am entscheidenden 3:2 direkt beteiligt, und auf der Gegenseite lief mit Lea Schüller ausgerechnet eine deutsche Nationalstürmerin gegen ihren Ex-Klub auf.

Die Bilanz gegeneinander ist schnell erzählt: Das Hinspiel war das erste Pflichtspiel beider Klubs in UEFA-Wettbewerben gegeneinander, das Rückspiel in München ist also erst das zweite europäische Aufeinandertreffen überhaupt. Gleichzeitig spricht ein anderer Wert für Bayern: Manchester United müsste als erstes englisches Team überhaupt in München gewinnen, denn Bayern hat alle fünf bisherigen Heimspiele in der Women’s Champions League gegen englische Klubs gewonnen.

Die Münchnerinnen dürfen zudem auf einen besonderen Abend in der Allianz Arena hoffen. Laut Klubangaben waren am Sonntag bereits 20.000 Tickets für das Rückspiel verkauft. DFB-Kapitänin Giulia Gwinn nannte die Atmosphäre dort „electrifying“ und betonte, dass zwar „ein wichtiger Schritt“ gemacht sei, aber noch nichts entschieden sei. Auch Bayern-Coach José Barcala warnt: „We’ve only achieved 50%.“ Manchester-Manager Marc Skinner kündigte an, seine Mannschaft werde „absolutely everything“ geben.

Sportlich dürfte vieles davon abhängen, ob Bayern die Tiefe im Umschaltspiel wieder so gut bespielt wie in Old Trafford. Gwinns Vorstöße, Dallmanns Spiel zwischen den Linien und Kett auf der linken Seite waren im Hinspiel wichtige Bausteine. Auf der anderen Seite ist Lea Schüller mit ihrer Strafraumpräsenz der naheliegende deutsche Fixpunkt bei United. Für Bayern ist die Chance groß: Bleibt die Mannschaft daheim ungeschlagen, steht sie erstmals seit 2023 wieder im Halbfinale.

Chelsea gegen Arsenal

Das London-Derby ist aus deutscher Sicht vor allem ein Spiel für Sjoeke Nüsken. Chelsea verlor das Hinspiel bei Arsenal 1:3, obwohl die Blues früh zweimal Aluminium trafen. Arsenal war vor dem Tor deutlich konsequenter: Blackstenius, Kelly und Russo trafen, Lauren James hielt Chelsea mit einem sehenswerten Treffer im Rennen. Nüsken stand bei Chelsea in der Startelf im linken Zentrum.

Die Bilanz spricht insgesamt leicht für Arsenal. Nach dem Hinspiel stehen 58 Pflichtspiele zwischen beiden Teams zu Buche, davon gewann Arsenal 28, Chelsea 23; dazu kommen sieben Unentschieden bei einem Torverhältnis von 100:82 für die Gunners. International ist das Duell trotzdem ein Novum: Das Hinspiel war die erste Partie in diesem Wettbewerb zwischen zwei Klubs aus derselben Stadt.

Chelsea schöpft Hoffnung aus der eigenen Comeback-Fähigkeit und aus dem 4:3 gegen Aston Villa vom Sonntag. Nüsken traf dort selbst und sagte vor dem Rückspiel, Chelsea werde „try everything to turn it around“. Sonia Bompastor sprach von Stolz auf ihre Mannschaft trotz der Niederlage im Hinspiel, Lucy Bronze erklärte: „We know we can overturn this result.“ Arsenal-Coach Renée Slegers mahnt dagegen, man brauche für das Rückspiel „a really good plan“.

Aus deutscher Perspektive ist Nüsken die Schlüsselfigur: Chelsea braucht aus dem Zentrum mehr Zugriff, mehr Präsenz gegen den Ball und mehr Torgefahr aus der zweiten Reihe. Das Momentum liegt wegen des Heimspiels in Stamford Bridge nicht völlig bei Arsenal, aber der Titelverteidiger reist mit dem beruhigenderen Polster an.

Barcelona gegen Real Madrid

Am eindeutigsten scheint das Duell in Spanien verteilt zu sein. Barcelona gewann das Hinspiel in Madrid mit 6:2 und reist mit einem Vier-Tore-Polster ins renovierte Camp Nou. Ewa Pajor traf doppelt, Alexia Putellas glänzte als Lenkerin, und Real bekam Barcelonas Tempo und Präzision kaum in den Griff. Aus deutscher Sicht stand bei Madrid Sara Däbritz in der Startelf.

Auch die Bilanz ist brutal deutlich: Barcelona hat nun 23 der 24 Pflichtspiele gegen Real Madrid gewonnen, bei 86:12 Toren. In der Champions League gab es das Duell schon 2021/22 im Viertelfinale, damals ebenfalls mit klarem Vorteil für Barça. Dazu kommt ein weiterer historischer Befund: Noch nie hat in der Women’s Champions League ein Team ein K.-o.-Duell nach einem Rückstand von vier Toren gedreht.

Barcelona-Coach Pere Romeu lobte nach dem Hinspiel den „competitive spirit“ seiner Mannschaft. Real-Trainer Pau Quesada räumte ein, Barcelona habe „that extra gear“. Genau darin liegt der Kern dieser Vorschau: Real braucht nicht nur einen perfekten Abend, sondern vermutlich den perfekten Abend seiner Klubgeschichte. Däbritz und Co. müssen das Barça-Zentrum viel konsequenter schließen und selbst jede Umschaltsituation sauber ausspielen.

Für die deutschen Fans ist dieses Rückspiel deshalb eher ein Blick auf Einzelpersonal als auf die reine Spannung der Paarung. Sara Däbritz steht vor einer Mammutaufgabe, während Barcelona mit großer Wahrscheinlichkeit erneut die Runde der letzten vier erreichen wird.

OL Lyonnes gegen VfL Wolfsburg

Wolfsburg hat sich die vielleicht interessanteste Ausgangslage aller deutschen Klubs erarbeitet. Das Hinspiel gewann der VfL mit 1:0, weil Lineth Beerensteyns Schuss früh abgefälscht einschlug und die Defensive um Janina Minge, Sarai Linder und eine herausragende Vivien Endemann danach mit großer Disziplin verteidigte. Endemann wurde von der UEFA sogar zur Spielerin des Spiels gewählt.

Historisch ist dieses Duell ohnehin ein Klassiker. Das Rückspiel ist bereits das 13. Aufeinandertreffen der beiden Klubs in der Women’s Champions League und damit die meistgespielte Paarung der Wettbewerbsgeschichte. Vor dem Hinspiel führte Lyon den direkten Vergleich mit acht Siegen bei nur zwei Wolfsburger Erfolgen und einem Remis an; durch das 1:0 in Niedersachsen hat Wolfsburg nun auf drei Siege verkürzt.

Die deutsche Perspektive ist hier besonders dicht. Auf Wolfsburger Seite stehen mit Minge, Linder, Svenja Huth und Endemann mehrere deutsche Spielerinnen im Zentrum des Geschehens, Alexandra Popp droht dagegen verletzt auch das Rückspiel zu verpassen. Bei Lyon spielt inzwischen Jule Brand, die im Hinspiel als Joker kam und nun ausgerechnet gegen ihren früheren Verein um das Weiterkommen kämpfen muss. Brand sagte am Montag: „We trust in our team and our strengths.“ Wolfsburg-Coach Stephan Lerch fordert erneut totale Konzentration, Lyon-Trainer Jonatan Giráldez setzt auf mehr Kontrolle und die Heimstärke seines Teams.

Gerade deshalb wirkt dieses Rückspiel wie ein echter Charaktertest. Wolfsburg hat Lyons 33 Spiele währende Ungeschlagen-Serie beendet und erstmals seit langer Zeit wieder gezeigt, dass sich der Serienmeister aus Frankreich verwunden lässt. Aber Lyon hat seine letzten neun von zehn Heimspielen in der Champions League gewonnen. Für den VfL wird es also ein Abend für Geduld, Kompaktheit und deutsche Nervenstärke.

Fazit für die Rückspiele im Viertelfinale

Vor den Rückspielen ist die deutsche Ausgangslage so spannend wie vielversprechend. Bayern und Wolfsburg haben ihre Hinspiele gewonnen und damit realistische Chancen auf ein deutsches Doppel im Halbfinale. Gleichzeitig ruhen in den anderen Paarungen deutsche Hoffnungen auf Nüsken bei Chelsea, auf Jule Brand bei Lyon und auf Sara Däbritz bei Real Madrid. Am meisten spricht für Bayern und Barcelona, am offensten wirkt aus deutscher Sicht weiter Lyon gegen Wolfsburg.

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