Das DFB-Team bestreitet am Montag, 30. März 2026, gegen Ghana sein letztes Länderspiel vor der WM-Kaderbekanntgabe am 12. Mai. Anstoß in der ausverkauften MHP Arena in Stuttgart ist um 20.45 Uhr. Nach dem wilden 4:3 in Basel gegen die Schweiz geht es für Bundestrainer Julian Nagelsmann diesmal weniger um Ergebnisromantik als um Rollen, Belastungssteuerung und die letzten offenen WM-Fragen.
Nagelsmann hat vor der Partie bereits klargemacht, dass er rotieren wird. Alexander Nübel steht fest im Tor, Deniz Undav soll Einsatzminuten bekommen, die komplette Startelf wollte der Bundestrainer aber erst nach dem Abschlusstraining final festlegen. Seine Begründung ist eindeutig: Einige Spieler müssten gesteuert werden, damit sie gesund durch die entscheidende Saisonphase und in Richtung Weltmeisterschaft kommen.
Deutschland reist mit Rückenwind an. In der Schweiz gewann die Auswahl nach zweimaligem Rückstand 4:3, Florian Wirtz war mit zwei Toren und zwei Assists der prägende Mann. Nagelsmann sprach danach davon, er habe „viel Gutes gesehen“, lobte Mentalität und Offensivwucht, mahnte aber zugleich Verbesserungen im Verteidigen an. Genau diese Balance dürfte auch gegen Ghana im Mittelpunkt stehen.
Voraussichtliche Aufstellung Deutschland
Vieles spricht für ein 4-2-3-1 mit mehreren Wechseln gegenüber Basel. Als wahrscheinlich gilt derzeit: Nübel – Kimmich, Tah, Nico Schlotterbeck, Brown – Goretzka, Stiller – Lennart Karl, Gnabry, Wirtz – Woltemade. Sicher bestätigt ist bislang Nübel im Tor; Brown gilt als heißer Kandidat links hinten, Undav eher als Joker mit garantierten Minuten.
Gerade die Namen Brown, Karl und Woltemade machen den Reiz dieses Tests aus. Brown könnte mit Tempo und Direktheit auf links ein anderes Profil als Raum einbringen, Karl gilt als Wildcard für die offensive Dreierreihe, und Woltemade bietet vorne mehr Präsenz zwischen den Linien. Dahinter bleibt Wirtz nach seiner Gala von Basel gesetzt, während Kimmich, Tah und Goretzka die Achse stabilisieren sollen.
DFB-Kader: Wer dabei ist – und wer fehlt
Aus dem ursprünglich 26 Spieler starken März-Aufgebot sind inzwischen Änderungen geworden: Aleksandar Pavlovic und Felix Nmecha fielen aus, dafür rückten Angelo Stiller und Chris Führich nach. Jamie Leweling reiste wegen muskulärer Wadenprobleme ab. Jonas Urbig musste mit einer Kapselverletzung im rechten Knie passen; für ihn wurde Finn Dahmen nachnominiert. Beim Abschlusstraining vor Ghana standen dann aber alle verbliebenen Spieler auf dem Platz. (DFB)
Nach aktuellem Stand des verfügbaren Spieltagskaders sind bei Deutschland dabei: Nübel, Baumann, Dahmen; Kimmich, Tah, Nico Schlotterbeck, Brown, Anton, Raum, Rüdiger, Thiaw, Vagnoman; Goretzka, Stiller, Groß, Stach; Karl, Gnabry, Wirtz, Führich, Havertz, Sané, Schade, Undav und Woltemade. Das ist kein offiziell veröffentlichter Matchbogen, aber die derzeit plausibelste verfügbare Kaderlage aus DFB-Updates und kicker-Vorschau.
Ghana: angeschlagen, aber unangenehm
Ghana kommt mit deutlich mehr Reparaturbedarf nach Stuttgart. Die Black Stars verloren am Freitag in Wien 1:5 gegen Österreich, obwohl die erste Halbzeit laut Otto Addo noch stabil gewesen sei. Jordan Ayew erzielte den einzigen Treffer, defensiv offenbarten die Westafrikaner danach große Probleme in Umschaltmomenten und beim Verhalten nach Rückschlägen. Addo sagte vor dem Deutschland-Spiel, der Austria-Auftritt sei „ein großer Schlag“ gewesen, sein Team habe aber vieles aufgearbeitet und sei nun bereit.
Trotzdem bleibt Ghana gefährlich. Nagelsmann hatte schon bei der Ansetzung des Spiels betont, das starke Umschaltspiel der Addo-Elf könne einen Vorgeschmack auf das WM-Gruppenspiel gegen die Elfenbeinküste geben. Addo wiederum nannte das Duell mit Deutschland „eine großartige Gelegenheit“, sich gegen eines der besten Teams der Welt zu testen.
Voraussichtliche Aufstellung Ghana
kicker erwartet Ghana in einer 4-4-2-/4-2-3-1-ähnlichen Anordnung mit: Ati-Zigi – Senaya, Adjetey, Patrick Pfeiffer, Mensah – Fatawu, Partey, Ibrahim Sulemana, Semenyo – Königsdörffer, Jordan Ayew. Gerade Partey, Semenyo und Ayew bilden das Gerüst, dazu kommt mit Königsdörffer ein Spieler, für den dieses Spiel auch emotional besonders ist.
Im Aufgebot hatte Addo zunächst vier Neulinge nominiert: Derrick Luckassen, Patrick Pfeiffer, Marvin Senaya und Daniel Agyei. Zurückkehrer waren unter anderem Thomas Partey, Ibrahim Sulemana und Alexander Djiku. Kurz vor der Reise mussten allerdings Iñaki Williams und Brandon Thomas-Asante passen; dafür wurde Ransford Yeboah Königsdörffer nachnominiert.
Bilanz: Deutschland noch ungeschlagen
Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft bestreitet am Montag (20.45 Uhr/ARD) in Stuttgart gegen Ghana ihr 1035. Länderspiel. Die Bilanz seit der ersten Begegnung am 5. April 1908 mit der Schweiz (3:5): 597 Siege, 214 Unentschieden und 223 Niederlagen bei 2324:1218 Toren. Eingesetzt wurden in diesem Zeitraum 991 Spieler.
Die Bilanz gegen Ghana spricht klar für Deutschland. Drei Duelle hat es bislang gegeben, keines davon gewann Ghana. 1993 siegte Deutschland in Bochum 6:1, bei der WM 2010 folgte ein 1:0, bei der WM 2014 ein 2:2. Macht unterm Strich: zwei deutsche Siege, ein Remis, 9:3 Tore. Der DFB verweist selbst darauf, dass die Ergebnisse gegen Ghana zuletzt immer knapper wurden.
Schiedsrichter der Partie
Geleitet wird das Länderspiel vom Engländer Stuart Attwell. Seine Assistenten sind Simon Bennett und Ross MacLeod, Vierter Offizieller ist Farai Hallam. Im VAR-Raum sitzen Matthew Donohue und Sian Massey-Ellis.
Der 43-Jährige Attwell ist seit 2009 FIFA-Schiedsrichter, die DFB-Auswahl hat schlechte Erinnerungen an ihn. Attwell war im Viertelfinale bei der Heim-EM 2024 gegen Spanien (1:2 n.V.) als VAR im Einsatz. Nach einem Handspiel des Spaniers Marc Cucurella im eigenen Strafraum griff Attwell nicht ein, schickte Schiedsrichter Anthony Taylor also nicht zur Überprüfung der Szene vor den Bildschirm.
Das ist vor dem Anpfiff entscheidend
Für Deutschland ist die Partie vor allem ein Casting ohne offiziellen Casting-Charakter. Nagelsmann sagt zwar ausdrücklich, es gehe nicht um ein Torwart-„Casting“, zugleich hat er mit allen Spielern Rollengespräche geführt und jedem mitgeteilt, wie sicher oder offen sein WM-Status derzeit ist. Gegen Ghana geht es also um konkrete Hierarchien: Wer ist Starter, wer Joker, wer nur noch Außenseiter? (DFB)
Für Ghana geht es eher um Stabilität und Reaktion. Otto Addo fordert nach dem Austria-Spiel vor allem bessere Körpersprache, schnellere defensive Übergänge und mehr Ordnung gegen Deutschlands Offensivumschalten. Wenn die Black Stars das in Stuttgart nicht auf den Platz bekommen, könnte es für die DFB-Offensive erneut ein offener Abend werden.
Prognose
Alles spricht für ein deutsches Übergewicht bei Ballbesitz, Chancenplus und Feldkontrolle. Die spannendere Frage lautet weniger, ob Deutschland gewinnt, sondern welche Spieler sich in Nagelsmanns WM-Puzzle noch festschieben: Nübel im Tor, Brown links, Karl als Überraschungsoption oder Undav als späte Waffe. Ghana bringt Tempo, Körperlichkeit und Umschaltgefahr mit, kommt aber defensiv angeschlagen nach Stuttgart. Deshalb wirkt ein deutsches 2:0 oder 3:1 realistischer als ein weiteres wildes Spektakel wie in Basel.
